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Marktforschung wird überschätzt

Nehmen wir an, jemand käme auf die Idee, hier in Deutschland Tintenfisch-Eis anzubieten (also Speiseeis mit Calamari-Geschmack); es würde doch jeder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und davon abraten.

Denn die intuitive Marktforschung weiß natürlich (und hier muss kein Institut bemüht werden), dass es vielleicht in Japan einen Markt für fischiges Speiseeis gibt, hierzulande die Fangemeinde jedoch extrem überschaubar bleiben dürfte. Wenn wir uns dann noch vorstellen, wie bei Langnese oder Schöller die kapitalintensiven Anlagen für 10 Familienpackungen Calamari-Eis eingerichtet würden – Flop³, keine Frage.

Was aber, wenn nicht ein Massenhersteller, sondern der Inhaber eines angesagten Szene-Gourmettempels die Idee hätte? Ich bin sicher, dass plötzlich, trotz des nicht vorhandenen Marktes und wider aller Vernunft das Calamari-Dessert der Renner wäre. Nur für kurze Zeit und nur für seine Klientel. Nicht, weil sie plötzlich ihre Liebe zur exotischen Kaltspeise entdeckt hätte, sondern weil sie dazugehören will, weil sie mitreden will, weil sie hip sein und bewundert werden will.

Der Wirt könnte also aus dem Nichts einen Markt kreieren, einen Markt, den sich niemand vorzustellen wagte, den es eigentlich nicht geben dürfte, von dem jeder Marktforscher abgeraten hätte. Das Bedürfnis wäre nicht originär (hmm, lecker Tintenfischeis), sondern rein aus der Marken-Identität heraus viral “infiziert”.

Das kann natürlich auch böse ins Auge gehen, aber so muss es doch sein: Ideen, Produkte und Werbung aus der Identität entwickeln und einen Markt schaffen. Oder nicht?


Bild: Quelle: gimp-savvy.com

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